Schulalltag zwischen Corona und Ukraine

Von | 17. März 2022

Ja, es sind weißgott schwierige Zeiten! Und ja, es gibt zu viele Unwägbarkeiten und keine einfachen Lösungen, aber eines scheint sich wie eine roter Faden durch alle bedauerlichen Entwicklungen und Krisen der letzten beiden Jahre zu ziehen: schlechte Kommunikation, Aktionismus, fehlender Basis-/Praxisbezug!

Dieser kurze Blogpost soll kein RANT werden und noch weniger eine besserwisserische Abhandlung, sondern nur eine Mischung aus Hilferuf und „Finger-in-die-Wunde-legen“. 

Dass uns Corona in den Schulen begleitet wie ein lästiger Kaugummi, in den man in einem Moment der Unachtsamkeit getreten ist, entspricht schlicht den Tatsachen. Dass man aber nach nunmehr ZWEI Jahren keinerlei Daten auf offiziellem Wege liefern kann, die etwas Transparenz in die – mitunter aufgeheizten – Diskussionen um Masken, Testen, Sicherheit in Schulen… bringen, erweist sich nicht nur als enttäuschend, sondern in meiner Wahrnehmung auch als bemerkenswerte Interpretation der Fürsorgepflicht des Dienstherrn. 

Pooltests in 5. und 6. Klassen, die zum Teil erst nach Tagen ausgewertet sind, während Kinder in Bussen dicht an dicht jeden Morgen bis zu einer Stunde aufeinander sitzen … Infektionszahlen, die kaum jemand ohne Expertenwissen zu interpretieren vermag – nur ein paar Beispiele, die die Ursache für Frust, Hilflosigkeit und bisweilen Verzweiflung beim Personal in den Schulen erahnen lassen. 

Die schrecklichen, bedrückenden Ereignisse in der Ukraine und deren Auswirkungen komplizieren die Lage an den Schulen zusätzlich: Unstrittig ist, ankommende Kinder und Jugendliche nicht allein zu lassen und auch von Seiten der Schulen zu unterstützen. Hinterfragen aber muss man die Art und Weise der Umsetzung: „Pädagogische Willkommensgruppen“. Mal abgesehen davon, dass der Begriff in mancher Wahrnehmung eine Mischung aus Euphemismus und Hyperbel zu sein scheint, erweisen sich die konzeptionellen Hintergründe bestenfalls als mitunter nicht ganz zu Ende gedacht. 

Ohne Personal (pensionierte Lehrkräfte als Option sind in den Erfahrungen vieler Praktiker mehr ein Treppenwitz als eine Lösung), ohne tatsächlich vorhandene Ressourcen sollen – mal wieder – die Schulen „über die notwendigen Spielräume verfügen, um auf die konkrete Situation vor Ort und die aktuellen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler reagieren zu können.“ 

Zitat eines Kollegen:

Die Schulleitungen sollen schauen, dass die was auf die Beine stellen! Mir kommt es vor, als wenn man jemanden mit 10 Biermarkerl und 2 Hendlgutscheinen in der Sahara aussetzt und ihm einen schönen Tag wünscht!

Es geht weder dem Kollegen noch mir darum, zu jammern und sich selbst zu bemitleiden. Wir alle müssen unseren Beitrag leisten. Aber von einem Dienstherrn, der eigens eine Qualitätsagentur betreibt und bei beinahe jeder Gelegenheit den Begriff „Qualitätsmanagement“ bemüht, darf es gerne etwas mehr sein, als – freilich überspitzt formuliert – Durchhalteparolen und eine Webseite.

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