Notiz-Software (Craft, Notion, Joplin, OneNote) – Vergleich/Erfahrungsbericht

Von | 30. Dezember 2021

Ich war lange auf der Suche nach einem Programm, das mir meine (vorwiegend dienstlichen) Notizen gut organisiert, verschiedene Anforderungen (siehe unten) erfüllt und das ich ganz einfach gesagt gerne nutze.

Anforderungen: Was war mir wichtig?

Das klingt jetzt so, als hätte ich mir zu Beginn eine Liste geschrieben, was mir wichtig ist und welche Anforderungen ich an die Software stelle, doch was bei einem Wochen-Einkauf evtl. meist funktioniert, tut es bei einem so komplexen Thema nicht – wie ich immer wieder erfahren musste. Denn erst bei der Benutzung der verschiedenen Programme stößt man immer wieder auf Features, die man vorher gar nicht kannte, die man aber dann nicht mehr missen wollte. Und so verlängerte bzw. veränderte sich die Liste immer wieder. Das Ergebnis schreibe ich im Folgende auf:

  • Kein proprietärer LockIn: Ich möchte meine Daten immer auch exportieren und ggf. in einer anderen Software weiternutzen können.
  • MarkDown-Fähigkeit: Die Software soll Markdown „können“.
  • Cloud-Anbindung: Ich möchte meine Notizen immer verfügbar haben, also keinesfalls auf einem Gerät lokal gespeichert.
  • Systemunabhängigkeit: Keinesfalls soll die Software auf ein einziges System beschränkt sein. Sie muss auf MaxOS, Windows, IOS/IpadOS, Android und im Idealfall auch unter Linux laufen.
  • Überschaubare Kosten: Das kleine, aber sehr wichtige Tool darf etwas kosten, aber diese Kosten müssen sich im Rahmen halten und keinesfalls 5€/Monat übersteigen.
  • LaTex-Unterstützung: Als Naturwissenschaftsaffiner nutze ich gerne LaTeX für z.B. mathematische Formeln. Dies ist zwar (leider) nicht mehr wichtiger (=mit viel Zeit bedachter)  Bestandteil meines Arbeitslebens, aber dennoch spielt es bei mir eine wichtige Rolle.

Mein Vorgehen

Ich habe mir auf verschiedenen Wegen Rat geholt und verschiedene Tools/Programme über einen ziemlich langen Zeitraum von knapp einem Jahr getestet. Dabei bin ich immer wieder von einem Tool zum anderen gewechselt, um herauszufinden, wie sich der eine oder andere UseCase in welchem Programm umsetzen lässt.

Welche Tools für mich nicht in Frage kamen… [Update: 31.12.21]

  • Nebo (super Schrifterkennung, aber zu viele Einschränkungen)
  • Notability (an sich mein Lieblings-Notiz-Programm mit genialer Mathe-Handschrift-Erkennung, aber Apple Only; Nutze ich punktuell gerne und immer wieder, aber nicht global und dauerhaft im Produktiv-Einsatz)
  • GoodNotes (kann ein „Heft“ nahezu ideal abbilden, aber kann z.B. keine Mathe-Erkennung!)
  • AppleNotes, SamsungNotes… (viel zu proprietär!)
  • Obisidan (nur kurz angesehen, aber auf den ersten Blick sehr ähnlich zu Joplin, nur kosten Sync/EE2E)
  • Evernote (war mal mein Favorit, wurde aber ewig nicht weiterentwickelt und dann in einem erbärmlichen Zustand relauncht; angeblich jetzt wieder besser aber mein Vertrauen ist weg!)

Tools, die ich tatsächlich über das Jahr hinweg intensiver getestet habe …

  • Joplin
  • Craft
  • OneNote
  • Notion

Meine Erfahrungen in der Übersicht

Wichtig vorab:

OneNote betrachte ich rein aus Sicht eines Privat-Anwenders (also keinesfalls im Kontext des Unterrichtsgeschehens mit dem Szenario, dass alle Schülerinnen und Schüler dieses auf ihrem Endgerät nutzen).  In einem solchen Szenario mit OneNote-Classroom (mit Kursnotizbüchern) ist OneNote meiner Erfahrung nach konkurrenzlos!


Joplin

Vorteile

  • sehr übersichtlich
  • kostenlos
  • Cloud frei wählbar
  • komplette Markdown-Implementierung
  • gute Tag-Verwaltung
  • E2EE aller Files

Nachteile

  • Einbindung von Bildern etwas “fummelig” (kein Skalieren, Zuschneiden in der App)
  • Freigabe-Optionen nicht vorhanden
  • keine Kollaboration möglich
  • auf Touch-Geräten nicht wirklich gut zu bedienen
  • keine Stifteingabe (Zeichenfunktion)
  • etwas “undurchsichtiges” Dateimanagement in der Cloud

Craft

Vorteile

  • Bedienung (auch auf Touch-Geräten) intuitiv
  • Sync sehr schnell
  • viele einfach zugängliche Gestaltungsmöglichkeiten
  • Freigabe mit Kommentar-Funktion
  • viele Export-Optionen
  • Sehr schönes “Look and Feel”

Nachteile

  • LaTeX-Implementierung nicht “glücklich”
  • bislang nur unter Apple-Geräten gut nutzbar (Browser-App noch Beta)
  • Medien-Einbettung nicht flexibel (z.B. NounProject nicht praktikabel nutzbar)
  • Preis mit EDU-Rabatt: 23€ p.a.
  • Kollaboration nur über Spaces
  • Keine Wahl der Cloud möglich (”iCloud only”)
  • keine Stifteingabe (Zeichenfunktion)

OneNote

Vorteile

  • extrem flexibel
  • Sync schnell
  • perfekte Einbettung von Medien
  • Unter Windows bester Funktionsumfang
  • zahlreiche Importfilter für z.B. Youtube, Geogebra, h5p …
  • Stift-Eingabe problemlos möglich
  • fester Bestandteil von Microsoft 365
  • unendliche Zeichenebene/Notizgröße
  • Form(el)erkennung

Nachteile

  • keine echte LaTeX-Implementierung
  • keine Markdown-Unterstützung
  • keine freie Wahl der Cloud (OneDrive only)
  • fester Bestandteil von Microsoft 365
  • unter IOS/IpadOS, MacOS, Android und im Browser weit weniger Funktionen
  • (noch) App-Wirrwarr (zwei verschiedene Apps z.B. unter Windows)
  • Lockin-Gefahr höher, weil nur eingeschränkte Exportmöglichkeit

Notion

Vorteile

  • maximal flexibel
  • Sync sehr schnell
  • Einbettung von Medien
  • komplett plattformunabhängig
  • extrem vielseitig
  • perfekte Sharing-Optionen
  • SubPages-System funktioniert gut
  • kostenlos
  • Kollaborationsmöglichkeiten umfangreich und einfach zugänglich
  • Sehr guter Webclipper

Nachteile

  • kein Stift-Support (Zeichenfunktion)
  • extrem komplex; erfordert Einarbeitung
  • keine freie Wahl der Cloud ohne weiteres Abo
  • manchmal zu kompliziert
  • nur englisch
  • Deutsche Schulen sind vom ansonsten kostenlosen Edu-Angebot mit noch mehr Features ausgeschlossen (aber für “Normal”-Anwender kein Problem)

Fazit:

Jedes der getesteten Tools hat seine Berechtigung und seine Vorzüge. Ich persönlich werde vorerst bei Notion bleiben. Dieses Tool bietet für mein Szenario die meisten Möglichkeiten (und noch so viel mehr!). Aber noch immer – nach inzwischen einigen Monaten – finde ich neue Funktionen und stolpere auch immer wieder über bestimmte Probleme.

Im Endeffekt muss jede(r) selbst abwägen, welche Features und Funktionen ihm oder ihr wichtig sind. Hoffentlich helfen diese Zeilen bei der Orientierung 😉

4 Gedanken zu „Notiz-Software (Craft, Notion, Joplin, OneNote) – Vergleich/Erfahrungsbericht

  1. Winfried Eitel

    Vielen Dank für den Testbericht.
    Ich wundere mich, dass Evernote nicht mal erwähnt wird.
    Evernote hat für mich den großen Vorteil der bestens funktionierenden Suchfunktion, auch in eingebundenen Dokumenten, z. B. PDF. Die PDF-Darstellung ist für mich gleichzeitig das größte Manko bei OneNote.

    Latex und Markdown sind für mich aber auch keine relevanten Kriterien.

  2. mike Beitragsautor

    Evernote ist für mich seit dem Relaunch und der davor nicht mehr praktizierten Produktpflege keine Option mehr gewesen! Da sind einige Rückschritte too much gewesen imho.

  3. Christian Pfliegel

    Vielen Dank für die Übersicht! Ein erneuter Blick auf Evernote lohnt sich meiner Meinung nach schon: nach dem Relaunch waren es wirklich einige Rückschritte und ich war auch sehr unzufrieden. Mittlerweile bin ich aber wieder sehr zufrieden und es läuft bei mir besser als je zuvor, und zwar auf allen Geräten (Mac, Linux-Rechner, Ipad) gleich gut. Hast du mal einen Blick auf Obsidian geworfen? Das sollte doch alles können was du brauchst. Ich nutze inzwischen Evernote für die Verwaltung von Dokumenten/Notizen/Unterlagen usw. und Craft für eigene Texte und zur Bereitstellung von Notizen/Texten.

  4. mike Beitragsautor

    Obsidian hab ich nur auf der Webseite damals angesehen, aber ich sah da auf den ersten Blick keinen Mehrwert zu Joplin. EE2E und Sync kostet zusätzlich!

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