Visavid – eine erste Analyse

Von | 8. Mai 2021

Intention 

Mir ist es vor allem wichtig, dass diese erste Analyse als das gesehen wird, worin deren Intention bestand: Das objektive Beschreiben und Teilen von Erfahrungen, keinesfalls ein Hype oder Hate auf ein neues Produkt!. 

Wobei viele Aspekte zwar beschrieben, aber nicht immer eindeutig zu gewichten sind. Ein Beispiel: Für manche sind Breakout-Rooms ein absolutes Muss, andere kennen dieses Feature gar nicht und werden es darum noch weniger vermissen. 

Rahmenbedingungen 

Wir haben in unserem Team das Tool, das allen bayerischen Schulen seit Kurzem zur Verfügung steht, ca. drei Stunden mit drei (Power-)Usern getestet – wobei mit Poweruser gemeint ist, dass der Nutzer sich tatsächlich für alle Features der Software interessiert und gerne als EarlyAdopter Grenzen austestet.

Getestet wurde unter Windows (Firefox, Chrome), unter MacOS (Safari, [Update: Firefox]) und IpadOS 14.5.

Die folgenden Ausführungen beziehen sich also ausdrücklich nicht auf den Einsatz im Klassenverband. Vor wir die SchülerInnen miteinbeziehen und mit der Software konfrontieren, wollten wir uns selbst mit der Software vertraut machen.

Unsere Erfahrungen und Eindrücke

Uns allen war von vornherein klar, dass mit dem Angebot ein reinses Videokonferenzsystem geboten wird, es also keine Messaging-Funktionen bietet, wie man sie beispielsweise von MS Teams kennt. Das war nie der Anspruch und das will das Tool gar nicht. Es ist stattdessen auf dem Papier eine Alternative zu Zoom, WebEx, aber noch viel mehr zu Jitsi oder BigBlueButton.

Was das Tool gut macht …

  • Es funktioniert! Man kann eine Videokonferenz nach dem Login einrichten und sobald alle Teilnehmer den Link erhalten haben, kann die Session starten.
  • Es bietet eine solide Funktionalität: Die Räume sind übersichtlich und flexibel einstellbar (z.B. mit Ablaufdatum)

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  • Die Benutzeroberfläche ist übersichtlich und gut bedienbar.

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  • Es gibt viele sinnvolle Einstellungen und Anpassungsmöglichkeiten.

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Was momentan zu beanstanden ist …

  • Es gibt keine Gruppen (=Breakout)-Räume, wohin man SchülerInnen „schicken“ kann, um gemeinsam in einer Gruppe etwas zu bearbeiten und dann wieder ins „Plenum“ zurückzukehren.
  • Da es keine App für Android oder IOS/IpadOS gibt, kann auf diesen Geräten kein Screen freigegeben werden.
  • Ein Raum-Link (den man z.B. an die SchülerInnen ausgibt) bleibt statisch und bis zum Ablauf des Raumes intakt. Das ist bei deaktiviertem Wartebereich fragwürdig, lässt es doch alle Möglichkeiten für Missbrauch. Eine Möglichkeit, den Link zu ändern wäre meiner Meinung nach zwingend!

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  • Unter MacOS kann nur der ganze Bildschirm freigegeben werden, nicht ein einzelnes Fenster. Das ist schlicht nicht Stand der Technik!
    [UPDATE]: Unter Opera oder Firefox funktioniert dieses Feature. Scheint also ein Safran-Problem zu sein! #THX Norbert Forster

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  • Die Hintergrund-Unschärfe ist träge bzw. nicht funktional.
  • Bei der Nutzung des Whiteboards werden nicht alle gängigen Bildformate (z.B. GIFs) unterstützt. Was an sich kein großes Problem wäre, wird zu einem, da man schlicht keine Fehlermeldung oder einen Hinweis erhält, warum ein Upload gerade nicht funktioniert hat. Das generiert Frust und Supportaufwand, den es ganz einfach nicht braucht.
  • Insgesamt war bei unseren Tests die Performance (z.B. Lückensynchronität) nicht optimal und auf dem Stand vergleichbarer Konkurrenzprodukte. 
  • Was wir nicht reproduzieren konnten, aber ein geschätzter, befreundeter Kollege festgestellt hat: Angeblich gibt es Probleme beim PasswordChange unter Safari.

Fazit

Das Tool ist definitiv ein Fortschritt für Schulen, die bislang keine etablierte Lösung für Videokonferenzen nutzen konnten. Es bietet Potential und ist ganz offensichtlich noch „Work in Progress“. Nichtsdestotrotz lässt es sich bereits sinnvoll einsetzen. Durch eine – angeblich bereits in Arbeit befindliche – Anbindung an das mebis-IDM und die Erweiterung der Funktionalität könnte das Tool aber noch weit mehr Potential entfalten und immer mehr zu einer Alternative zu etablierten Angeboten werden.

Gleichzeitig – und das muss man an der Stelle ganz klar so deutlich sagen – ist das Tool in Sachen Funktionalität – nicht zuletzt dadurch, dass Schulen zum sinnvollen Einsatz einen schnellen, einfachen Kommunkationskanal benötigen – kein Ersatz für das bekannte MS Teams. Wenn letzteres an den Schulen etabliert ist, bedeutet der Einsatz von Visavid gegenwärtig einen mehr oder weniger großen Rückschritt.

Und bitte nicht falsch verstehen: Wie oben geschrieben kann man die Tools vom Ansatz her nicht vergleichen, denn Visavid kann und will kein Teams-Konkurrent sein. Allein: In der Wahrnehmung der Schulen wird es den Vergleich geben!

 

Wichtig:

Diese ersten Eindrücke basieren auf der Software, wie sie in der ersten Mai-Woche 2021 zur Verfügung stand. Die beschriebenen Aspekte können also schnell überholt sein.

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