Über viele Länder und Regionen hinweg werden derzeit Schulen geschlossen, wird nach Möglichkeiten gesucht, die Schülerinnen und Schüler remote zuhause zu unterrichten, um die Versäumnisse zu minimieren.

Wir als Schule stehen ebenfalls vor diesem Problem und möchten für den Fall der Fälle vorbereitet sein. Im Folgenden wird ausgeführt, welche Maßnahmen wir bereits umgesetzt haben und wie die Erfahrungen im Flächenrollout sind.

Ausgangssituation

Nach aktuellem Stand (12.03.2020)  werden ab nächster Woche in Österreich und Tschechien die Schulen flächendeckend geschlossen. Auch bei uns in Bayern muss für diesen Fall vorgesorgt werden.

Als Schule haben wir zwei Werkzeuge, mit Hilfe derer wir Schülerinnen und Schüler zuhause mit Material versorgen und im Idealfall unterrichten können:

  1. Mebis: Diese bayerische Angebot setzt sich aus verschiedenen Services zusammen, in diesem Fall von besonderer Relevanz: einer Moodle-basierten Lernplattform.
  2. Office 365: Dieses online wie offline nutzbare Angebot von Microsoft umfasst neben den gängigen Office-Applikationen wie Word, Powerpoint oder Excel auch diverse Werkzeuge, die speziell für ein Szenario wie dieses vorgesehen sind. Das zentrale Tool dabei: MS Teams, eine SocialMedia-App, die kollaborative wie kommunikative Werkzeuge zur Verfügung stellt und die Office-Anwendungen dabei integriert.

Wir haben Option zwei als unseren zentralen Lösungsansatz gewählt, und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Die Kommunikationsmöglichkeiten sind sowohl einfacher als auch leistungsstärker. Nichtsdestotrotz stellt mebis für uns eine zusätzliche, äußerst wertvolle Option und Ergänzung dar, die wir nicht missen möchten!

Office 365 ist bei uns bei allen Schülerinnen und Schüler implementiert und bekannt. Die datenschutzrechtlichen Unterlagen liegen vor.

Wichtig ist noch anzumerken, dass wir im Rahmen des Projekts Digitale Schule 2020 bereits eine intakte digitale Infrastruktur implementieren konnten, die uns das weitere Vorgehen wesentlich erleichterte: Es gab ein Projektteam mit dem entsprechenden KnowHow und ein funktionierendes Konzept, das alle Beteiligten am schulischen Leben entsprechend miteinbindet und Abläufe standardisiert.

Phase 1: MS Teams im Kollegium implementieren und auffrischen

Alle Kolleginnen und Kollegen sind im Rahmen unseres Medienkonzepts mit Office 365 vertraut. Die Nutzung von Onedrive, OneNote und Teams, aber auch von Sway, Streams oder SharePoint wurden im Rahmen des Fortbildungskonzepts in verschiedenen Formen (MicroSchilf, Workshop, CoP) multipliziert und implementiert.

Uns war aber auch klar, dass ein mächtiges Tool wie MS Teams kaum in seinem tatsächlichen Funktionsumfang genutzt wird.

Daher haben wir uns zum Zeitpunkt, als von ersten Schulschließungen die Rede war, entschlossen, eine neue Fortbildungsreihe anzubieten, die aus der Not geboren wurde, sich aber als effektiv und zeitsparend erweisen hat:

In allen sechs Vormittagsstunden wurden alle Kolleginnen und Kollegen, die jeweils eine Freistunde hatte, im Rahmen von etwa 30 Minuten von Mitgliedern des Teams “Digitale Schule 2020” geschult, so dass sie in der Lage waren, eigene Besprechungen (=Videokonferenzen) mit Klassen durchführen zu können.

Bewusst griffen wir dabei auf die Browser-Versionen von MS Teams zurück, um keine Konflikte mit Admin-Rechten und diversen Installationsproblemen in Kauf nehmen zu müssen.

Alle Kolleginnen und Kollegen haben für ihre jeweiligen Fächer und Klassen ein entsprechendes Team angelegt. Die Admins erleichtern diesen Vorgang, indem es Klassengruppen gibt, so dass nicht jeder Lehrer jeden Schüler einzeln ins Team einladen muss, sondern mit einem Klick eine ganze Klassengruppe hinzufügen kann.

Beispiel:

image

Die Klassengruppen heißen 10a, 7c, … die Teams also “10a Mathe”, “7c Physik” ….

Dabei machten wir die Erfahrung, dass sich Teams nur mit Googles Chrome tatsächlich vollumfänglich nutzen lässt.

An dieser Stelle ein großes Kompliment an unser gesamtes Kollegium: Alle 55 Lehrkräfte wurden auf diese Art ohne Unterrichtsausfall oder zusätzliche Belastung außerhalb der Unterrichtszeit weiterqualifiziert … und dies in einer Atmosphäre, die nicht nur mich beeindruckt hat und stolz macht!

Hier ein hilfreiches Video-Tutorial von Kurt Söser zu dem Thema:

https://youtu.be/KztoeJsXH64

Und ein weiteres Tutorialvideo von Mone Denninger

https://youtu.be/TQ-m9fc8oM0

Phase 2: Login-Probleme bei Schülerinnen und Schülern beheben

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass zwar alle unsere Schülerinnen und Schüler über einen funktionierenden Login in Office 365 verfügen, diesen aber faktisch nicht kennen, weil sie die entsprechenden Apps bereits seit Langem installiert haben und somit keine Logindaten mehr nutzen müssen.

Da sich mit dem Einsatz im Browser auf einem Fatclient etwas ändert, mussten wir sicherstellen, dass alle Schülerinnen und Schüler sich auch auf einem neuen Gerät einloggen können.

Hierzu wurde folgendes Verfahren praktiziert:

  • Per Durchsage und Teams-Nachricht wurden stundenweise die einzelnen Jahrgangsstufen zum Helpdesk (=einem Lehrer mit O365-Berechtigung zum Passwort-Reset) gerufen. Selbstverständlich waren nur die Schülerinnen und Schüler gemeint, die keine funktionierenden Zugangsdaten mehr hatten.
  • In den Klassen wurden alle Schülerinnen und Schüler zu einem Funktionstest aufgerufen, der die Zuverlässigkeit und Funktionalität der Teams-App sicherstellt.
  • Solche, bei denen die Funktionalität nicht gegeben war, meldeten sich beim entsprechenden Medientutor der Klasse bzw. in einem weiteren Schritt beim Helpdesk.

Fazit hier:

Innerhalb eines Tages waren alle Probleme beim Login sowie in der Nutzung bei des Schülerinnen und Schülern gelöst. Der “Nervfaktor” ist beim Helpdesk zwar durchaus gegeben, aber im Rahmen der ganz normalen alltäglichen Dosis Winking smile

Phase 3: Schülerinnen und Schüler lernen den Umgang mit der Meeting-Funktionalität (=Videoconferencing) in MS Teams

Im letzten Schritt nutzten wir IT- sowie sonstige Stunden, die diesen Exkurs erlaubten, um den Schülerinnen und Schülern die Nutzung der Meeting-Funktionalität näherzubringen.

Neben den Schulungen im Klassenverband stellt die Schule auf dem eigenen Youtube-Channel ein entsprechendes Tutorial zur Verfügung.

Online-Videotutorial

(Phase 4: Unterricht zuhause)

Gegenwärtig findet bei uns noch normaler Präsenz-Unterricht statt, so dass wir hier noch keine Erfahrungen vorweisen können. Allerdings haben wir im Unterricht die entsprechenden Konstellationen bereits getestet.

Alle Schülerinnen und Schüler greifen via Chrome oder App auf Teams zu und nehmen an Meetings im jeweiligen Team teil.

Update (19.3.20):

Die Schülerinnen und Schüler arbeiten jetzt seit vier Tagen komplett über Teams und die Erfahrungen sind einfach nur beeindruckend. Wir haben aktuell knapp 750 aktive User in Teams, d.h. jeden Tag sind ALLE Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte online. Die Rückmeldungen sind ausnahmslos positiv. Wir sind unter den gegenwärtigen Umständen sehr froh über diese Entwicklung!

Zur Organisation:

Der Unterricht zuhause findet stundenplangemäß statt, so dass die Schülerinnen und Schüler zu den entsprechenden Zeiten online sein sollen.

Dabei versteht sich von selbst, dass der Ablauf keineswegs darin bestehen kann, Schülerinnen und Schüler von 8 bis 13 Uhr vor den PC zu setzen! Es geht hier darum, verantwortungsvoll eine pädagogisch sinnvolle Lösung zu finden. Diese könnte etwa so aussehen, dass Meetings nur in solchen Fächern stattfinden, in denen dies sinnvoll ist. Andererseits können in Fächern auch Übungen und Aufgaben, aber auch andere Inhalte direkt als Aufgabe abseits der festen Stunden gestellt und bearbeitet werden.

Hier muss sich erweisen, wie praktikabel das Ganze sich tatsächlich darstellt.

Auch liegt es auf der Hand, dass die Schulpflicht nur sehr eingeschränkt zu erfüllen sein wird. Es kann von niemandem erwartet werden, hier Vollständigkeiten zu überprüfen oder Aufsichtspflichten zu übernehmen. Die Verantwortung und der Weitblick des Einzelnen wird hier in einem Maße gefragt sein, das die Normalität für alle Beteiligten weit übersteigt.